Das Spiel gilt als der einfachste Aufwärmer überhaupt: Buchstabe rufen, eine Minute schreiben, fertig. Geschrieben wurden die Regeln aber für den Küchentisch, nicht für 25 Plätze. Die klassische Punktevergabe verlangt, dass jede Antwort mit jeder anderen verglichen wird, und genau dieser Schritt wächst mit der Klasse. Wer ihn unterschätzt, verliert die Lektion und gibt danach dem Spiel die Schuld.
Die Runde skaliert mit der Klasse, die Wertung nicht
Die Schreibzeit ist fix. Eine Minute bleibt eine Minute, ob vier Kinder mitschreiben oder achtundzwanzig.
Nach den klassischen Regeln bringt ein Begriff 20 Punkte, wenn ihn sonst niemand gefunden hat, 10 für einen eigenen Begriff und 5, wenn zwei dasselbe schreiben. Diese Doubletten-Regel lässt sich nur bestimmen, indem alle Blätter gegeneinander gehalten werden, so beschreibt es auch der Regel-Überblick zu Stadt-Land-Fluss. Bei sechs Spalten und 25 Kindern sind das 150 Einträge pro Runde, die vorgelesen und abgeglichen werden wollen.
| Was passiert | Party-Runde (4 bis 8) | Klassen-Runde (20 bis 30) |
|---|---|---|
| Schreibzeit pro Runde | eine Minute | eine Minute |
| Einträge, die verglichen werden | 24 bis 48 | 120 bis 180 |
| Wer eine strittige Antwort entscheidet | alle am Tisch, in Sekunden | die Lehrperson, gegen 25 Meinungen |
Das heisst: Was die Klasse dem Spiel an Aufwand hinzufügt, landet nicht beim Schreiben, sondern vorne an der Wandtafel.
Der Lehrplan 21 verlangt genau das, was eine Runde erzwingt
Der Aufwand lohnt nur, wenn dahinter mehr steht als Zeitvertreib. Eine Runde zwingt zu einer Leistung, die im Kopf stattfinden muss, ohne Nachschlagen, unter Zeitdruck: ein Land mit H, ein Beruf mit K, und zwar jetzt. Genau diese Unterscheidung trägt die Kompetenzorientierung im Lehrplan 21, dem gemeinsamen Lehrplan der 21 deutsch- und mehrsprachigen Kantone.
Der Lehrplan ist nicht bereits erfüllt, wenn der im Lehrplan aufgelistete Stoff im Unterricht behandelt wurde, sondern erst dann, wenn die Kinder und Jugendlichen über das nötige Wissen verfügen und dieses auch anwenden können.
Das heisst: Wörter aufsagen zählt noch nicht, sie unter Druck zu finden schon. Weil dieselbe Formulierung von Chur bis Basel gilt, plant eine Lehrperson in St. Gallen die Runde gegen denselben Massstab wie eine in Bern. Der Aufwärmer ist damit kein Bonus am Freitagnachmittag, sondern eine Übung, die sich im Wochenplan begründen lässt.
Fünfzehn Minuten Spiel klingen nach fünfzehn verlorenen Minuten
Der Einwand ist der stärkste, den es gibt: Eine Lektion hat 45 Minuten, und eine Spielrunde frisst davon ein Drittel. Wer Geräte dazunimmt, verliert die ersten Minuten zusätzlich an Anmeldungen und an drei Kindern, deren Akku leer ist.
Er trifft nur, solange die Spalten beliebig sind. Bindet man sie an den Stoff, wird die Runde zur Übung: Kantone statt Städte, Verben statt Namen, französische Wörter statt deutscher. Dann tauscht niemand Lektionszeit gegen Spass, sondern Abfragen gegen Abrufen. Welche Stadt-Land-Fluss-Kategorien mit Biss dafür taugen, hängt vom Alter der Klasse ab.
Unter zehn Mitspielenden gilt das nicht
In einer Gruppe unter zehn Personen bleibt Papier schneller als jede Vorbereitung, weil dort die Wertung in einer Minute erledigt ist. Und wer die Runde nur als Pause einschiebt, ohne die Spalten an den Stoff zu binden, bekommt genau das: eine Pause, keine Lektion.
Für die nächste Lektion reicht eine Viertelstunde Vorbereitung: drei feste Spalten, drei aus dem laufenden Stoff, ein Buchstabe pro Runde, und vorher laut gesagt, wer über eine strittige Antwort entscheidet. In der Klasse ist die Lehrperson der Schiri, und ein sichtbares Urteil beendet die Diskussion schneller als jede Begründung.
Vor der ersten Klassen-Runde
- Drei feste Spalten und drei aus dem laufenden Stoff gesetzt?
- Buchstaben vorher gezogen, damit keine Runde leer läuft?
- Angesagt, wer über eine strittige Antwort entscheidet?
- Geklärt, ob eine Doublette halb zählt oder gar nicht?
Wer die Spalten vor der Lektion setzt, gewinnt die Zeit im Unterricht zurück.
Schwere Kategorien für ältere Klassen